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Peter Chroust:
Die Bürokratische Verfolgung.
Doktorgradentziehungen an der Universität Gießen
1933–1945 im Kontext der nationalsozialistischen
Verfolgungspolitik.

156 Seiten
EUR 15,00
ISBN 978-3-88349-513-2


Diese Dokumentation lenkt den Blick auf eine bislang noch wenig bekannte Form lautloser Verfolgung von Akademiker/-innen im Nationalsozialismus, die Entziehung des Doktorgrades aus politischen oder »rassischen« Gründen. Das gesamte Ausmaß der im »Dritten Reich« praktizierten Doktorgradentziehungen ist noch nicht bekannt. Fest steht inzwischen, dass sich diese Repressalie weniger gegen Professoren und Wissenschaftler des universitären »Mittelbaus« sondern vor allem gegen in freien Berufen tätige Doktoren richtete: Ärzte, Rechtsanwälte, Publizisten und Unternehmer. Dabei war die Entziehung des Doktorgrades Teil einer umfassenderen Strategie zur sozialen Demontage. Hierzu gehörten der Ausschluss von Juden und Nazigegnern aus Ärzte- und Anwaltskammern, der Entzug der Approbation und der Kassenzulassung von Ärzten, das Verbot, »arische« Patienten zu behandeln, Publikations- oder Berufsverbote sowie die Aberkennung der Pensionsansprüche und der bürgerlichen Ehrenrechte.

Mit dieser Studie werden erstmals die Lebensläufe jener bislang bekannten Absolventen der Universität Gießen – soweit möglich – rekonstruiert, die von der nationalsozialistischen Doktorgradentziehung betroffen oder nachweislich bedroht waren. Betroffen waren zumeist Emigranten, denen nach der zwangsweisen Ausbürgerung auch der akademische Titel entzogen wurde, sowie Doktoren, die nach einer Strafverurteilung – z. B. wegen illegaler Abtreibung, Homosexualität oder des Hörens ausländischer »Feindsender« – als so genannte Nebenstrafe auch den Doktorgrad verloren. Überlegungen zu einer »kollektiven Biografie« der degraduierten Gießener Absolventen sowie Fotos und Archivdokumente ergänzen die Darstellung.

Die Dokumentation der Gießener Degraduierten ist eingebettet in einen allgemeinen Überblick zum Thema »Doktorgradentziehungen an deutschen Hochschulen«. So werden die bereits während der Weimarer Republik einsetzenden ersten Versuche deutscher Universitäten skizziert, ihren »unwürdigen« Absolventen den Doktorgrad abzuerkennen. Erst dem Nationalsozialismus sollte es jedoch vorbehalten bleiben, dieses Instrument zu einer tausendfach eingesetzten Repressalie zu radikalisieren. Die Etappen dieser 1933 beginnenden bürokratischen Verfolgung werden detailliert dargestellt.

Eine Übersicht aller im »Dritten Reich« bestehenden deutschen und österreichischen Universitäten und Hochschulen gibt Auskunft über die jeweils bislang bekannte Zahl der Doktorgradentziehungen – und über den Umgang der einzelnen Hochschulen mit diesem bis heute heiklen Thema.