Gerhard Fitzthum:
Das Ende der Menschheit und die Philosophie.
Zum Spannungsverhältnis von Ethik und Theodizee.
254 Seiten
EUR 19,50
ISBN 3-88349-400-3

Es geht zu Ende mit uns, mit der Gattung »homo sapiens«. Prognosen der baldigen Abwesenheit unser aller Anwesenheit, die früher noch »hoffnungslosen Pessimisten« reserviert waren, werden längst auch von »seriösen« Wissenschaftlern formuliert. Noch einmal davonzukommen scheint bei der Lage der Dinge: beim aktuellen Stand der Verseuchung, der diskreten Präsenz sogenannter »Altlasten«, der Allgegenwart »friedlich« arbeitender Atomreaktoren und der zuletzt doch nicht verhinderbaren Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, eine unzulässige Annahme. »Hoffen heißt« - heute mehr denn je - »die Zukunft dementieren« (Cioran).
In dieser späten Stunde beginnt nun auch die Philosophie sich aus ihrer akademischen Verschollenheit zurückzumelden und jenes Ende in den Blick zu nehmen, das auch der eigenen vermeintlich »unendlichen « Geschichte ein Ende bereiten würde. Wie aber geht sie mit solch trauriger Empirie um? Mobilisiert sie alle ihre Kräfte zur Abwendung des scheinbar Unabwendbaren oder bringt sie einmal mehr die Kategorie der »Versöhnung« ins Spiel? Hat sie sich darüber aufgeklärt, daß die Möglichkeit des Gattungstodes eine Dimension eröffnet, für die ihr Instrurmentarium gar nicht mehr taugt? Oder verstehen sich ihre Vertreter nach wie vor als Vollstrecker jener Raisonnements, mit denen die Philosophie schon früher zurechtrückte, was nicht selber Denken ist, - die sog. »Wirklichkeit« also?
Diesen Fragen geht der Autor Gerhard Fitzthum, promovierter Philosoph und Schüler von Odo Marquard, Gießen, nach, indem er u.a. Texte von Hermann Lübbe, Odo Marquard, Ulrich Horstmann, Hoimar von Ditfurth, Hans Ebeling und Karl-Otto Apel in Augenschein - und auf's Korn - nimmt. Er kann zeigen, daß die Philosophie sich immer noch - selbst im Angesicht des »malum apocalypticum« - im Ausredenrepertoire der Theodizee bedient, - jene methodische Geringschätzung existenzieller und ethischer Weltbezüge am Leben erhält, die in ihrer Leibniz'schen Ursprungsgestalt in die Geschichte des Zynismus eingegangen ist, das Denken der Neuzeit auch dort noch prägt, wo es sich jede Versöhnlichkeit verbittet - und mitverantwortlich ist für das, was heute als »atomare Drohung« oder »ökologische Krise« verharmlost wird.
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